Die Recycling-Lüge?

Lesezeit: 7-10 Minuten

Recycling - was steckt dahinter?

 

Kunststoff ist ein vielseitiges Material, welches viele Vorteile mit sich bringt. Es ist robust und gleichzeitig flexibel und lässt sich in jegliche Formen, Farben und Härtestufen bringen. Durch seine praktischen Eigenschaften ist es aus unserem Alltag sowie unserer Industrie nicht mehr wegzudenken.

 

Doch vor allem die Nachteile des Plastiks bekommt unsere Umwelt immer mehr zu spüren: Die Langlebigkeit dieses Produktes. Noch dazu besteht es bis zu 90% aus einem fossilen, endlichen Rohstoff, nämlich aus Erdöl. Dieses muss erst aufwändig gewonnen werden, z.B. durch tiefe Bohrungen oder das stark kritisierte Fracking.

 

Ist das Plastik erst einmal produziert worden, wird es uns zum Verhängnis. Denn Plastikprodukte lassen sich nicht so einfach abbauen. Eine PET-Flasche benötigt bis zu 450 Jahre, um sich aufzulösen. Wobei „auflösen“ hier nicht ganz stimmt, sie zerteilt sich in immer kleinere Plastikpartikel – Mikroplastik – was unsere Meere und (Meeres-)Lebewesen bedroht.

Dabei wird eine Plastiktüte im Schnitt nur 20 Minuten genutzt, bevor sie entsorgt wird. Jährlich verbrauchen wir Deutschen etwa 2 Mrd. Plastikbeutel. Insgesamt verbrauchen wir in Deutschland am meisten Verpackungsmüll europaweit!


Aber dafür recyceln wir doch so viel! Oder?

Recycling ist an und für sich eine gute Sache! Plastikprodukte können so wiederverwendet werden und müssen weder verbrannt werden, noch landen sie auf Mülldeponien im Ausland. So kann also schon genutztes Plastik durch verschiedene Aufbereitungsprozesse in ein Kunststoff Rezyklat umgewandelt werden, aus dem neues Plastik entsteht. Es wird also für neue Produkte kein neues Erdöl benötigt, sondern bereits verbrauchte Ressourcen können wiederverwendet werden.

 

Wenn das so einfach wäre…

Denn bei diesem Prozess gibt es so einige Hürden.

Das erste Problem: nicht alles, was in der gelben Tonne landet, gehört dort auch rein. Tagtäglich werden Dinge falsch entsorgt. Nur etwa ein Drittel der Verpackungen, die in den gelben Sack gehören, landen letztendlich auch dort. Und um die 40-50% der Produkte, die im gelben Sack landen, gehören dort nicht hinein!

 

Unser Tipp: Informiere dich über richtige Mülltrennung  und vermeide so die sogenannten Störstoffe in deinem gelben Sack.

 

Damit kommen wir auch schon zu Problem Nummer Zwei. Sind die gelben Tonnen erst einmal geleert und in der Recyclingfabrik angekommen, müssen nun mit aufwendigen Schritten die Störstoffe heraussortiert werden. Außerdem müssen die unterschiedlichen Kunststoffsorten ebenfalls nach ihrer Recyclingfähigkeit sortiert und getrennt werden.

Denn: sehr viele Plastikprodukte bestehen aus verschiedenen Kunststoffen. So besteht z.B. der klassische Joghurtbecher aus einem Aludeckel und einem Plastikbecher. Solange diese beiden Dinge nicht voneinander getrennt in den Müll geworfen werden, kann der Plastikbecher nicht recycelt werden und wird von der Maschine aussortiert und somit verbrannt. Auch schwarze Kunststoffprodukte können nicht recycelt werden, da der Laser diese Produkte aufgrund ihrer Farbe nicht erkennen kann.

Mithilfe von Wirbelstromscheider, Magneten, Nahinfrarot-Trennern und Scannern und teils auch händisch werden die verschiedenen Materialien voneinander getrennt. Nachdem die Kunststoffe sortenrein getrennt wurden, werden sie gewaschen und geschreddert. Dann werden sie zu einem Granulat namens Rezyklat verarbeitet, aus dem neues Plastik gewonnen werden kann.

Da nur sortenreine Stoffe recycelt werden können, können nur 58% unserer Gelben Tonne überhaupt recycelt werden.

 

Durch die Hersteller*innen von Plastikprodukten, die verschiedene Kunststoffstärken in einer Folie vereinen, entstehen Mischverhältnisse, die nicht mehr recyclingfähig sind und tragen so einen erheblichen Teil dazu bei, dass so viel Müll am Ende übrig bleibt.

 


Recycelt und dann?

Wenn wir jetzt einmal den Weg des recycelten Plastiks verfolgen, wird schnell klar, dass es dort weitere Schwierigkeiten gibt. Rezyklat ist für die Produktion nämlich doppelt so teuer wie neues erdölbasiertes Plastik.

Durch die Corona-Krise ist der Erdölpreis noch einmal erheblich gesunken und schafft somit noch weniger Anreize, Rezyklate anstelle von neuem Plastik zu verwenden. So mussten zuletzt einige Anlagen komplett abgestellt werden, andere arbeiten nur mit geringer Leistung weiter. Dabei spart Recycling-Kunststoff bis zu 50% der Treibhausemissionen, die bei neuem Kunststoff erzeugt werden, ein. Durch den aufwendigen Gewinnungsprozess liegt das Rezyklat aber bei doppelt so viel wie gebräuchliches PET-Plastik, wenn die Betriebe kostendeckend arbeiten. So zahlt man für eine Tonne PET 600-700€, für eine Tonne Rezyklat 1.200-1.500€. Das heißt im Umkehrschluss: 2020 wurde zwar 58% recycelt, am Ende bleiben die Fabriken aber auf ihren Produkten sitzen, weil die Unternehmen auf die günstigere Variante zurückgreifen.

 

Ein weiteres Problem ist, dass sich Rezyklate nicht für alle Produkte eignen. Nach erstmaliger und häufig einmaliger Benutzung verliert das Plastikprodukt 90% seines Wertes.

Sie gelten als minderwertiges Plastik und können z.B. nicht für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt benutzt werden, wie z.B. Käse oder Wurstverpackungen. Für Produkte wie Waschmittel u.ä. eignen sie sich allerdings gut.

 

Unser Tipp: An alle Konsumierenden, achtet beim Einkauf darauf, dass ihr Produkte aus recyceltem oder recyclefähigem Plastik kauft. Vermeidet gezielt schwarze Plastikprodukte. Und trennt verschiedene Kunststoffstärken voneinander (Joghurtbecher und Deckel etc.).


Thermische Verwertung

Was passiert jetzt aber mit dem Müll, der nicht recycelt werden kann?

Er wird verbrannt, im Fachjargon  “Thermische Verwertung” genannt. Wenn Müll verbrannt wird bedeutet das aber auch, dass zwei Drittel der Energie verschwendet wird, die erreicht werden könnte, wenn die Verpackung recyclingfähig wäre.

 

Dabei gibt es nun zwei Möglichkeiten. Einmal die klassische Müllverbrennungsanlagen, die entsprechende Filter für die Abgase besitzen. Leider wird der Plastikmüll aber oft an energieintensive Unternehmen wie z.B. Zementwerke verkauft, die dadurch ihre Energiekosten senken. Das hat die Konsequenz, dass durch fehlende Abgassysteme eine enorme Umweltverschmutzung verursacht wird.

Egal wo es verbrannt wird, es bleiben Reste. Asche und Gase, die umweltschädigend bis giftig sind. Diese müssen irgendwo hin! Also entsorgen viele Firmen sie in alten Salzabbauten, tief unter der Erde. Durch die versalzte Umgebung soll verhindert werden, dass die giftigen Stoffe aus den Lagerstätten austreten und in den Boden gelangen. Garantiert werden kann dies aber nicht zu 100%. Trotzdem landen täglich bis zu 40 LKW-Ladungen mit jeweils etwa 1000 Tonnen dort.

 

Die Verbrennung des Plastikmülls kann also einerseits als Energiequelle genutzt werden, andererseits bleiben dabei giftige Asche und Gase übrig, die wiederum entsorgt werden müssen.

Hieran zeigt sich wieder das größte Problem an Plastikprodukten: So richtig werden wir den Müll nicht wieder los.

 


Müllexport

Trotz dieser Möglichkeiten gibt es noch circa eine Mio. Tonnen Plastikabfälle, die jährlich ins Ausland exportiert werden. Deutschland produziert einfach zu viel Müll, 2018 waren es 417,2 Millionen Tonnen Abfall. Da es nicht genug Kapazitäten gibt, diesen Plastikmüll weiterzuverarbeiten wird er ins Ausland verkauft - und mit ihm auch die Probleme, die er uns hier bereiten würde. 

 

Denn auch in den Ankunftsländern besteht der Müll weiterhin und sorgt dort für große ökologische sowie auch soziale Probleme. Regelmäßig gelangen illegale Müllcontainer mit Mischverhältnissen in die Länder, die dort nicht recycelt werden können. Insgesamt können mitunter nur um die 10% der Abfälle im Ausland wirklich recycelt werden. Der Rest wird unter niedrigen Umweltstandards und Kontrollen verbrannt oder deponiert und gelangt so in Flüsse und Meere. Trotzdem wird jede Tonne, die mit der Absicht ins Ausland geht, dort recycelt zu werden mit in unsere deutsche Recyclingquote! 

 

Das Verbrennen des Mülls findet unter freiem Himmel statt, wodurch starke Emissionen und Schadstoffe ungehindert in die Natur gelangen. Darunter leidet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Bevölkerungen, da Luft, Böden und Gewässer verschmutzen. Die Menschen verlieren oft ihre Lebensgrundlage oder können von der Landwirtschaft allein nicht mehr überleben. Somit müssen sie sich als Müllsammelnde auf den Deponien durchschlagen und versuchen, Verwertbares auf dem Müll zu fischen und Händler*innen zu verkaufen.

 

Darunter leidet auch ihre Gesundheit enorm, da die Müllhalden voll sind mit Krankheiten und Keimen. Das große Plastikproblem wirkt sich nicht nur negativ auf die Ländereien und Felder aus, sondern auch die Fischereien. Das Plastik verdrängt Fischbestände und verseucht ganze Meere. Der Wohlstandsmüll der Deutschen wird den Ländern und ihrer Umwelt zum Verhängnis. Deswegen hat China im Jahr 2017 einen Müllimport-Stopp verhangen und nimmt keinen ausländischen Plastikmüll mehr an. Das hat leider in unserer Gesellschaft nicht zu einem Umdenken und bewussteren Konsum geführt, sondern nur dazu, dass der Müll auf andere Länder verteilt wurde. Ein extremes Problem bei dem Müllexport ist, dass durchgehend unreiner Abfall, bestehend aus Mischverhältnissen ins Ausland exportiert wird, was eigentlich verboten ist. Durch schlechte Kontrollmöglichkeiten gelangt aber regelmäßig falsch deklarierter Müll ins Land und bereitet den Menschen immense Probleme, da sich der Müll nicht recyceln lässt.

 

Ein weiterer Nachteil entsteht durch den Export von Plastikmüll, denn durch die billigeren Arbeitskräfte im Ausland kann auch das dort hergestellte Rezyklat günstiger verkauft werden. Somit entsteht ein neuer Wettbewerb im Preiskampf um das günstig recycelte Plastik.

Zudem kann der Recyclingprozess im Ausland nur schlecht kontrolliert werden, wodurch es mitunter zu Fälschungen und falschen Deklarierungen kommt. Das ist ein Rückschlag für die deutschen Recyclingunternehmen. Der Recyclingprozess ist aufwendig und kostenintensiv und so können sie im Wettbewerb kaum mithalten. Das bedeutet aber auch einen Rückschlag für die Recyclingquote in Deutschland. Regionale Fabriken müssen ihren Betrieb stilllegen und nicht geprüfte Rezyklate werden hunderte Kilometer weit geschifft, um sich hier als recyceltes Plastik auszugeben. Das ist das Gegenteil von nachhaltig. 

 


Und nun?

Trotz der Bekanntheit der extremen Nachteile des Plastiks, vor allem bei Mischverhältnissen, findet nur ein sehr langsames Umdenken statt. Vor allem von der Politik müssten strengere Restriktionen und Gesetze zur Verpackungsproduktion, Mülltrennung und Müllentsorgung erfolgen. Leider findet dort die Dringlichkeit dieser Problematik nur wenig Aufmerksamkeit. 

Was können wir nun aber tun, wenn wir nicht weiter tatenlos zusehen wollen? 

  • So gut es geht auf Plastikprodukte verzichten. 
  • richtige Mülltrennung! 

Eine passende Alternative zu Plastikprodukten bietet dir unser Shop

Denn unsere #IAMPLASTICFREE Bags und Halme ermöglichen dir plastikfreie Alternativen zu den herkömmlichen Plastikprodukten, ohne dass du auf die Vorteile der regulären Plastiktüte oder -Halm verzichten musst. 

Unsere Bags sind innerhalb von circa 90 Tagen auf dem heimischen Kompost abbaubar und somit komplett unbedenklich. Aber auch unsere Halme können durch ihren idealen Lifecycle einfach abgebaut werden.

Denn der Trinkhalm entsteht durch nachhaltige und nachwachsende Rohstoffe aus der EU, also aus biogenen Abfällen. Das bedeutet KEIN Erdöl! Dadurch kann er in industriellen Kompostieranlagen in CO2, Wasser und Biomasse umgewandelt werden. Es bleiben also weder Überreste, die in Salzbauten tief unter der Erde gelagert werden müssen, noch muss der Trinkhalm ins Ausland geschifft werden, wo er dann weitere Probleme verursacht.

 

Sollten unsere Produkte aus versehen mal in die Umwelt gelangen, zersetzen sie sich und bilden somit keine Probleme für die Natur und Tierwelt. Um noch einmal all die Vorteile unserer plastikfreien Trinkhalme auf einen Blick zu sehen, schau einfach hier nach.

 

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