Mehr Nachhaltigkeit im Hotel

Lesezeit: 5-7 Minuten

Ein Leitfaden für eure grüne Hotel-Revolution

Umweltschutz und Nachhaltigkeit gehören schon seit Längerem zum Fachjargon der Hotellerie Branche hier bei uns in Deutschland. Auch in einzelnen Hotels nehmen diese Themen einen immer höheren Stellenwert ein. Aber warum? Einmal weil immer mehr Bewusstsein für unsere Umwelt geschaffen wird und sich dadurch auch das Reisen und die Tourismusbranche verändert. Zudem lassen sich immer mehr potenzielle Gäste nicht nur von den Sternen oder der Ausstattung, sondern von dem grünen Image eines Hotels leiten. Somit wird dieses Kriterium immer bedeutsamer bei der Wahl der Unterkunft für den eigenen Urlaub.

 

Doch wie bringt man diese kleine Hotel-Revolution ins Rollen und wo fängt man am besten an? Wir haben einige Tipps gesammelt, wie ihr ruckzuck mehr Nachhaltigkeit in euer Hotel bringen könnt.


1. Wasser einsparen

Durch nur drei kleine Kniffe könnt ihr im Hotel Wasser sparen, somit Ressourcen schonen und auch eurem Geldbeutel etwas Gutes tun:

 

1. Der erste Tipp betrifft den Wäscheservice: Handtücher und Bettwäsche von euren Gästen müssen nicht unbedingt täglich gewaschen werden. Ein Hinweisschild in den Hotelzimmern, welches eine Anleitung zum Wäscheservice gibt und auf eure Umweltfreundlichkeit hinweist, reicht meistens schon aus. Oftmals handhaben es Hotels so, dass wenn ein Handtuch gewaschen werden soll, es auf den Boden gelegt wird. Wenn das Handtuch weiterhin benutzt werden kann, soll es einfach hängen bleiben. Ansonsten kann man auch einen Korb für das Badezimmer anschaffen, in dem die dreckige Wäsche gesammelt wird.

 

2. Darüber hinaus gibt es wassersparende Duschköpfe oder auch Duschbrausen, die euch mehr als 50% Wasser einsparen können. Zwar müsst ihr für den smarten Duschkopf ein paar Euro mehr hinlegen, werdet aber durch den geringen Wasserverbrauch und die gesenkte Warmwasseraufbereitung preislich belohnt. Ihr seht, zwei einfache Kniffe, um bei euch im Hotel den Wasserverbrauch zu reduzieren und gleichzeitig Geld zu sparen.

 

3. Auch an der Hotelbar lässt sich Wasser einsparen: Zwischendurch das Wasser stoppen, die Spülmaschine im Eco-Modus laufen lassen oder einen Stahlregler besorgen, mehr Infos findet ihr hier.


2. Nachhaltige Verpackung & Müll

Verpackung vermeiden

Müllvermeidung ist ein wichtiger Aspekt bei eurem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Gastgewerbe. Haltet die Augen auf und schaut, welche Alternativen und plastikfreien Varianten es gibt. So können Lebensmittel beispielsweise mit wiederverwendbaren Folien wie Bienenwachspapier oder Silikonüberzügen frisch gehalten werden. Eure Brote vom Bäcker könnt ihr in Brottüten oder gar eigenen Körben transportieren. Statt Plastiktüten können Jutebeutel oder Stoffnetze für Obst und Gemüse verwendet werden. Auch plastikfreie Alternativen für euren kulinarischen Bereich wie Trinkhalme ohne Plastik oder Eisbecher aus Mais helfen euch Müll zu vermeiden oder auf ökologisch abbaubare Produkte umzusteigen.

 

Dabei ist es wichtig Schritt für Schritt umzusteigen und sich keinen Druck zu machen, denn der Weg zum “Zero Waste“ Lebensstil ist fortwährend und besonders im Gastgewerbe ein langfristiger Prozess. Wenn ihr mehr Inspirationen zur Vermeidung von Plastik speziell im Verpackungssektor braucht, haben wir hier einige Tipps für euch gesammelt.

 

Müll richtig trennen

Sicherlich wird ab und an doch Müll anfallen. Dann ist es besonders wichtig, die Abfälle richtig zu trennen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob der Kassenbon jetzt in den Restmüll gehört oder der Kaffeefilter in den Biomüll, könnt ihr hier auf unserer Übersicht zur richtigen Mülltrennung nachschauen.

 

Angenommen ihr bietet in eurem Hotel ein Buffet an. Dann könnt ihr nett darauf hinweisen, dass sich jeder nur so viel nehmen soll, wie er auch wirklich verzehren kann. Stellt auch hier heraus, dass euch die Umwelt und die Vermeidung von Abfällen am Herzen liegt und dass ihr auf die Unterstützung eurer Gäste hofft.

 

Falls von eurem Speiseangebot etwas übrig bleibt, könnt ihr die verbliebenen Köstlichkeiten entweder über Sharing Angebote wie „Foodsharing“ oder „Too good to go“ weitervermitteln oder es anderen Außenstehenden und Bedürftigen anbieten. Die geringen Essensresten eurer Gäste solltet ihr richtig entsorgen: Hier bietet sich ein ergänzender Behälter für Speisereste an. Die Ansammlung der Reste kann fachgerecht entsorgt und sogar durch Biogasanlagen zu “grüner“ Energie umgewandelt werden.


3. Zu umweltfreundlichen Materialien wechseln

Bettwäsche, Handtücher, Seife, Duschgel, Shampoo – Für all diese Dinge gibt es umweltfreundliche Produkte. Die Bettwäsche und Handtücher können aus organischen Materialien wie Baumwolle und (Halb-)Leinen bestehen oder sich sogar aus recycelten Stoffen zusammensetzen. Dies hat weniger mit Plastikrecycling oder Müllhalden zu tun, sondern mehr mit der Wiederverwendung und Aufbereitung von hochwertigen Stoffen. 

 

Bei den Dusch- und Pflegeprodukten gibt es mittlerweile auch eine große Auswahl an fair produzierten Produkten, die auf Naturbasis sind und pflanzliche Stoffe wie Minze, Sanddorn oder auch Zitronenmelisse enthalten. Häufig wird der Nachhaltigkeits – oder Bio-Aspekt auch auf der Produktverpackung kommuniziert, sodass eure Gäste auch hier gleich auf euer Umweltbewusstsein aufmerksam werden.

 

Zudem gibt es clevere Produkte wie die „Stop the water while using me“-Reihe, die daran erinnern soll, während des Duschens oder Zähneputzens das Wasser zu stoppen. Solche Hinweise oder Sticker sehen bestimmt auch in euren Hotelzimmern klasse aus und motivieren zum grünen Engagement.

 

Darüber hinaus bieten manche Hotels kleine Pakete mit Wattestäbchen, Nagelfeilen etc. an. Diese sind leider oft in Plastik verpackt und werden - ohne dass sie verwendet wurden - weggeschmissen. An dieser Stelle kann unnötige Einzelverpackung gespart werden, indem man plastikfreie Pakete anbietet. Eine weitere Idee wäre, die Produkte erst auf Nachfrage bereitzustellen.

 


4. Nachhaltiger Einkauf

Regionale Lebensmittel kaufen

Qualität überzeugt und zwar besonders in der Küche. Versucht doch mal mit regionalen Produkten zu arbeiten und neue spannende Kreationen zu schaffen. Dabei heißt das noch lange nicht, dass es nur noch typisch deutsche Kartoffeln mit Sauerkraut geben muss, denn unsere Umgebung hat viel mehr zu bieten. Werdet kreativ und lasst euch von Produkten eurer lokalen Anbieter inspirieren. Spargel-Bärlauch-Salat oder eine Zucchini-Pilz-Pfanne sind Gerichte, die lokal produziert und Teil eurer Speisekarte werden könnten.

 

Zudem könnt ihr schauen, welche Lebensmittel gerade Saison haben und dadurch sowohl die beste Qualität der Produkte nutzen als auch gleichzeitig an die Umweltauswirkungen zu denken. Saisonale Produkte haben nämlich kürzere Produktionswege und sind oft auch weniger behandelt. Immer mehr Menschen schätzen die regionale Verbindung zu ihrem Essen und legen einen Fokus auf nachhaltigen Tourismus.

Lokale Kooperationen schaffen

Außerdem bieten sich Kooperationen wie zum Beispiel mit dem Bauernhof um die Ecke oder dem Lieblingsbäcker im Nachbarort an. Sicherlich werden sich diese freuen einen neuen Stammkunden zu gewinnen und euch gleichzeitig preislich entgegenkommen. Darüber hinaus könnt ihr mit Einrichtungen zusammenarbeiten, die Bedürftigen helfen wie beispielsweise die lokale Tafel. Wenn ihr dann zu viele Lebensmittel haben solltet, wisst ihr direkt wo ihr sie hinbringen könnt, um Gutes zu tun und eure Mitmenschen zu unterstützen.


5. Grüne Beleuchtung und Ökostrom

Bei der Beleuchtung umzurüsten ist schnell geschafft:

  • Normale Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen oder auf LED Lichter umstellen
  • Über Ökostrom informieren und einen geeigneten Anbieter wählen
  • Zeitschaltuhren einrichten

Drei einfache Wege, um schnell den Energieverbrauch zu senken und die Lebensdauer der Geräte zu erhöhen.

 

In modernen Hotels gibt es die smarte Verknüpfung der elektronischen Komponenten im Zimmer mit der Zimmerkarte. Erst durch das Einstecken der Karte wird das Licht, die Kühlung und die Steckdosen aktiviert. Beim Verlassen des Zimmers schalten sich diese Punkte automatisch aus und es wird keine Energie unnötig verschwendet. Auch dieser Aspekt wirkt sich nicht nur positiv auf die Umwelt, sondern auch auf euer Budget aus.

 

Tipp: Bis 2022 werden Energieberatungen für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland zu 80% gefördert. Wenn ihr also Hilfe braucht oder euch bspw. bei dem Stromanbieter nicht entscheiden könnt, schaut einfach nach einer Beratungsstelle für den Bereich Energie und Strom in eurer Nähe und lasst euch durch Fachwissen bei eurer grünen Hotel-Revolution unterstützen.


6. Mitarbeiter einbinden

Nicht nur euren Gästen solltet ihr euer Umweltbewusstsein vermitteln, sondern im Besonderen auch euren Mitarbeitern. Diese sind im Endeffekt die ausführende Kraft, die diesen Prozess nach vorne treibt und eure grüne Vision des Hotels den Gästen gegenüber vermittelt. Zeigt eurem Personal sowohl wie wichtig Nachhaltigkeit im Allgemeinen ist, als auch welche Vorteile für euer Hotel und eure Mitarbeiter diese Umstellung mit sich bringt. Beispielsweise gehört dazu der reduzierte Aufwand beim Waschen oder die niedrigeren Werks- und Wartungsarbeiten.

 

Zudem sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, bei der die Mitarbeiter ihre eigenen Ideen zur grünen Hotel-Revolution einbringen können. Schaut euch hierzu auch gerne unseren Beitrag zu "New Work" im Gastgewerbe an. Viele Menschen interessieren sich nämlich auch privat für Themen wie Nachhaltigkeit, Lebensmittelverschwendung, Umweltschutz und können geeignete Denkanstöße geben und ihr Wissen teilen. Wertschätzung und Motivation sind hierbei zwei wichtige Faktoren, die im Alltag nicht in Vergessenheit geraten sollten und durch diese Einbindung gestärkt werden.

 

Bei Interesse gibt es auch Nachhaltigkeitskurse von diversen Anbietern, die Inspirationen zu den verschiedenen Arbeitsbereichen wie Service, Küche, Ausstattung, Rezeption anbieten. 


Die grüne Hotel-Revolution lohnt sich!

Wie wir sehen, ist der Weg zu einem nachhaltigen Hotel gar nicht so schwierig. Durch viele kleine Änderungen kann die grüne Revolution ins Rollen gebracht werden. Dabei bedeutet Nachhaltigkeit nicht gleich „teuer“, sondern meistens könnt ihr langfristig sogar Geld einsparen. Zudem hebt ihr euch nicht von der Menge ab und erfüllt neu aufkommende Kriterien für die Wahl der Unterkunft.

 

Schaut euch auf Plattformen um, die deutsche "Bio-Hotels" oder Hotels mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit auflisten. Dazu gehören beispielsweise „Green Pearls“ oder „BookitGreen“. Es schadet sicherlich nicht, die Plattformen anzuschreiben und auf euer umweltfreundliches Engagement zu verweisen. Im Bestfall werdet ihr zu der Liste der nachhaltigen Hotels hinzugefügt. Somit zieht ihr von vornherein Gäste an, die eure Investition in nachhaltige Alternativen zu schätzen wissen und ihren Communitys weiterempfehlen.

 

Zusammenfassend lässt sich also klar sagen: Die grüne Hotel-Revolution lohnt sich allemal! Wir wünschen euch viel Erfolg mit diesem Leitfaden zu mehr Nachhaltigkeit im Gastgewerbe!

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