Plastiktüten-Verbot 2020

Das sind die nachhaltigen Alternativen zur Plastiktüte

Äpfel in Stofftasche tragen

Einweg-Plastiktüten gelten heute als eine der größten Umweltsünden überhaupt. Sie liegen an Stränden und in Wäldern, aber auch auf der Straße kommt man an den Beuteln nicht vorbei. Dabei tut sich in Deutschland schon seit einigen Jahren etwas: 2016 begannen viele Läden, eine Gebühr auf ihre Plastikbeutel zu erheben und ihren Kunden neben den klassischen Plastiktüten immer mehr nachhaltige Alternativen anzubieten. 2018 verbrauchte trotzdem noch jeder Deutsche durchschnittlich gut 20 Plastiktüten im Jahr. Ende letzten Jahres wurde von der Bundesregierung nun ein Plastiktütenverbot beschlossen – angesetzt auf dieses Jahr.

Alles, was ihr zu dem neuen Verbot wissen müsst und welche Alternativen ihr stattdessen nutzen könnt, haben wir für euch in diesem Artikel zusammengefasst.

Warum und wann genau sollen Plastiktüten in Deutschland verboten werden?

Wie schon angedeutet, sind Einweg-Plastiktüten ein verheerendes Problem für die Umwelt. Im Durchschnitt wird eine Tüte nur etwa 20 Minuten genutzt, bis sie im Müll landet – oder eben unachtsam in der Natur. Die Folgen: Die Beutel werden zur Gefahr für Meereslebewesen, die sich darin verfangen oder sie mit Nahrung verwechseln. Aber auch auf unseren Straßen können die Tüten Probleme nach sich ziehen, wenn sie bis zu ihrer vollständigen Zersetzung nach mehreren Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten bereits kleine Plastikteilchen in die Umwelt abgeben. Was genau die Folgen sind, wenn Mikroplastik in die Umwelt gelangt, haben wir euch in diesem Artikel hier schon einmal genauer erklärt. 

Zudem sind alle einmalig genutzten Tüten auch immer Ressourcenverschwendung. Allen voran natürlich Erdöl, welches für die Herstellung der Tüten benötigt wird. Aber auch den Energieverbrauch beim Recycling sollte man an dieser Stelle nicht vergessen.

 

Seit 2016 verpflichten sich deshalb viele Händler bereits freiwillig, Plastiktaschen nur noch gegen ein Entgelt an die Kunden zu geben. Mit Erfolg: Lag der Verbrauch an Einweg-Plastiktüten in Deutschland 2015 noch bei 5,6 Milliarden, waren es drei Jahre später noch 2 Milliarden, also nur noch etwa ein Drittel. Mit dem Verbot möchte das Ministerium diese Mengen weiter dezimieren und alle Läden zu einem Umdenken bringen.

Das Bundeskabinett hat dem Verbot bereits im November 2019 zugestimmt, nun muss noch der Bundestag einverstanden sein. Sobald das Gesetz durch den Bundestag und den Bundesrat durch ist, soll eine Übergangsfrist von sechs Monaten gelten, in welcher die Läden ihren Restbestand an Einweg-Tüten aufbrauchen können.

 

tätowierte Person trägt Blaubeeren im Korb

Welche Plastiktüten umfasst das Gesetz?

Mit dem neuen Gesetz sollen Kunststofftaschen mit einer Stärke von weniger als 50 Mikrometern verboten werden. Die sogenannten Hemdchenbeutel, welche als Rollen in Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten bereit liegen, sind davon jedoch ausgenommen. Dabei gibt es dort einiges an Einsparpotenzial: Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche 37 Hemdchenbeutel pro Jahr. Argumentiert wird damit, dass sie mit vergleichsweise wenig Verpackung für einen hygienischen Kauf der Produkte sorgen. Würde man sie verbieten, könnten andere Verpackungen künftig die Produkte verhüllen. Nachhaltige Einweg-Lösungen gibt es zudem noch nicht.

 

Andererseits sollen herkömmliche Bio-(Müll)beutel aus Mais oder Zucker auch verboten werden, da sie sich nachweislich schwer recyceln und abbauen lassen. Zudem wird ihre pflanzliche Basis oftmals nicht ökologisch angebaut und es kommen viele Pestizide zum Einsatz. „Bio“ heißt hier also nicht gleich „perfekt nachhaltig“ und kann für unwissende Konsumenten schon mal trügerisch sein.

 

Bei Verstößen gegen das Gesetz werden Ladenbesitzer künftig übrigens zur Kasse gebeten: Bis zu 100.000 Euro kann eine Missachtung des Verbots kosten.

 

Richterhammer

5 gute Alternativen zur Einweg-Plastiktüte

Zum Glück sind Einweg-Plastiktüten heute nicht mehr die einzige Option, um beispielsweise seinen Einkauf nach Hause zu transportieren. Es gibt einige nachhaltige Alternativen, welche ihr zum Beispiel an der Kasse des Supermarkt eures Vertrauens erhaltet.

1. Mehrweg-Tüten aus Plastik und Polyester

Neben Tüten für den einmaligen Verbrauch gibt es in vielen Läden heute auch schon Mehrweg-Taschen aus Plastik oder Polyester, welche sich umwelttechnisch nach ca. dreimaliger Nutzung rentieren. Zusätzlicher Pluspunkt: Die verwendeten Materialien sind meist recycelt und somit auch nachhaltiger als Plastiktüten aus Erdöl. Diese Taschen sind  oft größer als Einweg-Plastiktüten und eignen sich deshalb besonders gut, um den Wocheneinkauf vom Supermarkt nach Hause zu tragen. Polyester ist hier eine gute Alternative, da die Tüten nicht nur sehr leicht sind, sondern sich zudem durch ihre Langlebigkeit auszeichnen - ein Vorteil bei Mehrweg-Produkten.

2. Papiertüten

Eine Alternative für Hemdchenbeutel bei Obst und Gemüse sind Papiertüten. Diese scheinen auf den ersten Blick umweltfreundlicher als die klassische Plastiktüte, da sie biologisch abbaubar und gut recycelbar sind. Doch der Schein trügt auch hier. Die Herstellung von Papiertüten kostet unterm Strich mehr Ressourcen als die Produktion von Plastiktüten: Um eine ähnliche Reißfestigkeit herzustellen, muss im Umkehrschluss auch mehr Material verwendet werden. Zudem werden für die Stabilität lange Fasern gebraucht, welche sich nicht aus recyceltem Material herstellen lassen, so dass Pflanzen als Ressourcen benötigt werden.

3. Körbe und Jutebeutel

Old but gold: Rucksack, Weidenkorb oder der klassische Hipster-Baumwollbeutel. Vor allem Rucksack und Korb sind, bei hochwertigen Modellen, eine kleine Investition, welche sich langfristig definitiv lohnt. Denn sie sind stabil, langlebig und nicht zuletzt natürlich praktisch für kleinere Transporte jeglicher Art. Für alle Sparfüchse bietet sich hier wieder ein Besuch im Second Hand Laden an. Hier finden sich oft gut erhaltene Modelle zu Schnäppchen-Preisen. Alternativ eignen sich für alle Fahrradfahrer übrigens auch geräumige Fahrradtaschen für den Einkauf.

 

Baumwollbeutel sind im Vergleich zu Taschen und Co vergleichsweise günstig. Ob Statement-Spruch, Werbebotschaft oder schlicht in unifarben: die Beutel sind von Straßen und Schulhöfen nicht mehr wegzudenken. Und sie sind eine echte Alternative – bei mehrmaliger Verwendung. Denn beim Anbau von Baumwolle werden große Mengen an Wasser und Pestiziden für den Anbau gebraucht, die die Umwelt belasten. Noch ein Stück nachhaltiger seid ihr hier unterwegs, wenn ihr einen Beutel kauft, der mit ökologischen Farben bedruckt ist. Angebote dafür findet ihr im Zweifel auf jeden Fall in Fairtrade-Läden. 

Unser Tipp: Einen Beutel in den wichtigsten drei Taschen oder einen Rucksack dabei haben und dann endlos benutzen. Zuhause horten bringt umwelttechnisch nämlich gar nichts.

 

Junger Mann sitzt auf Fußweg mit Rucksack

4. Frischenetze

Als Alternative zu den Hemdchenbeuteln gibt es heute in fast jedem Supermarkt oder auch im Internet günstige Frischenetze zu kaufen, welche meist aus dünner Baumwolle bestehen. Im Einkaufsbeutel eins dabei zu haben, ist also eine durchaus nachhaltige Lösung des Plastik-Problems beim Shoppen. Einziger Nachteil: Zum Teil werden die Netze beim Wiegen nicht abgezogen. Nichtsdestotrotz sollte einem dieser nachhaltige Schritt ein paar Cents mehr allermal wert sein. 

 

Auch zum Einfrieren und Lagern von Lebensmitteln gibt es bereits einige Alternativen zu kleinen Einweg-Plastikbeuteln. Bienenwachstücher, Brotsäcke oder auch Boxen eignen sich hier besonders gut. Tipps dafür, wie ihr eure Vorräte auch ohne Dosen und Tütchen aus Kunststoff verstaut, geben wir euch in diesem Artikel.

5. Tüten auf Maniok-Basis

Wie bereits oben erwähnt, sind herkömmliche Tüten aus Biokunststoff keine ideale Alternative zu klassischen Plastik-Tüten. Sie ähneln ihnen zwar in Stabilität und Wasserfestigkeit, ihr Anbau ist jedoch nicht gerade nachhaltig und in der Natur bauen sie sich auch nicht so schnell ab.

 

Unsere #IAMPLASTICFREE- Tüten auf Basis von Maniokstärke bieten da eine wirklich gute Alternative zu klassischen Plastiktüten. Sie verfügen ebenfalls über ähnlich positive Eigenschaften, sind aber gleichzeitig frei von Mikroplastik und bauen sich außerdem innerhalb von kurzer Zeit auf dem Heimkompost ab. Außerdem transportiert ihr euren Einkauf in den Tüten nicht vorrangig als Werbebotschafter, sondern macht eure Haltung zum Gebrauch von Plastiktüten mit einem klaren Statement deutlich.

 

Plastiktüten vermeiden und Potenzial der Alternativen nutzen

In manchen Situationen geht’s einfach nicht ohne Tüte - Ressourcen hin oder her. Glücklicherweise gibt es heute genug Alternativen zur Einweg-Plastiktüte, die sich nach mehrmaligem Gebrauch auch ordentlich rentieren, Ausreden gehören hier auf jeden Fall der Vergangenheit an. Solltet ihr in der Not doch noch mal zum Hemdchenbeutel im Supermarkt greifen, ist das aber noch lange kein Grund, gleich alle nachhaltigen Gedanken über Bord zu werfen: Jede Tasche und Tüte hat eine Daseinsberechtigung, auch wenn recyceln nicht immer funktioniert. Das Stichwort lautet hier “reuse”, also nutzt Hemdchenbeutel und Einweg-Plastikbeutel für Müll, beim nächsten Schwimmbadbesuch oder als Regenschutz für den Fahrradsattel: Wiederverwenden ist in jedem (Not-) Fall besser als wegwerfen!  

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