Mikroplastik und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

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Wie gefährlich die Kunststoff-Teilchen für uns wirklich sind

Buntes Mikroplastik auf Löffel

Die durchsichtigen Wasserflaschen im Supermarkt identifizieren wir sofort als Plastik, aber Kunststoff kommt daneben in unserer Umwelt auch noch in einer anderen Form vor, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist. In den Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken wird seit Jahren immer wieder davon gesprochen: Mikroplastik. In Kosmetika, in Kleidung und auch in unserer Nahrung sollen die Teilchen zu finden sein. Aber was genau ist diese Art von Kunststoff eigentlich und wie schädlich ist Mikroplastik für uns? Bei so viel Input verlieren auch wir schnell mal den Überblick, deshalb klären wir für euch in diesem Artikel die wichtigsten Fragen rund ums Thema und geben euch obendrauf praktische Tipps für weniger Plastik im Alltag.


Wo kommt Mikroplastik eigentlich her und wie gelangt es in die Umwelt?

Wenn sich achtlos weggeworfene Plastiktüten, -flaschen oder To-Go-Verpackungen zersetzen, lösen sich kleine Plastikteile unbemerkt ab. Diese Zersetzung wird vorangetrieben von UV-Strahlung der Sonne, Salz, den Temperaturen oder auch der Reibung von den Wellen in Gewässern. Als Mikroplastik gilt in der Regel Kunststoff kleiner als fünf Millimeter, was ihn für den Menschen nicht erkennbar macht. Die genauen Werte von Mikroplastik in der Umwelt schwanken je nach Untersuchungen erheblich, laut dem WWF sollen die Teilchen aber drei Viertel des Plastiks in unserer Umwelt ausmachen. Bei den anfangs erwähnten Beispielen spricht man in der Forschung übrigens von „sekundärem Mikroplastik“, welches unter anderem durch die Zersetzung in chemischen und physikalischen Prozessen entsteht.

 

Anders als sekundäres entsteht primäres Mikroplastik nicht erst mit der Zeit, sondern wird bereits in seiner Form als solches hergestellt. Dazu zählen insbesondere die sogenannten „Basispellets“, das Grundmaterial für die Plastikproduktion. Beim Transport und Verfrachten dieser gelangen nicht selten versehentlich Teile in die Umwelt.

 

Als Hauptgrund für Mikroplastik in der Umwelt gilt aber der Abrieb von Reifen auf der Straße, welcher beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurvenfahrten entsteht. Gleiches gilt auch für den Abrieb von Straßenmarkierungen. Dieser wird dann bei Regen von der Fahrbahn in die Kanalisation oder direkt in die Umwelt gespült, sodass er früher oder später über den Wasserkreislauf in unseren Weltmeeren landet. Meereslebewesen, Vögel und andere Tiere nehmen dieses Mikroplastik dann mit der Nahrung oder beim Atmen auf, wobei das Plastik nur teilweise wieder ausgeschieden werden und beispielsweise Schäden an Wachstum und Organen der Tiere nach sich ziehen kann.

 

Zum Glück gelangt nicht alles Mikroplastik gleich ganz ungefiltert in das Abwasser. In unseren Kläranlagen kann ein Teil gut getrennt werden. Das gefilterte Mikroplastik wird allerdings nicht einfach vernichtet: Es landet im Klärschlamm und wird mit diesem entweder thermisch entsorgt oder kommt zu einem Großteil als Dünger auf Wiesen und Felder. Da eine 100%ige Filterung schwierig ist, gelangt das Mikroplastik dennoch teilweise ungefiltert in Gewässer. Es gibt zwar immer wieder neue Versuche, diese Filterung zu verbessern, aber für eine zufriedenstellende Lösung wird es vermutlich noch einige Zeit dauern. Deshalb ist nun der Moment, zu handeln.

 

Autos im Stau auf der Autobahn

Warum ist so viel Mikroplastik in Kosmetika und woran kann ich es erkennen?

Schon seit einigen Jahren wird das Bild der Kosmetikindustrie von Meldungen über Kunststoffe in Hygieneprodukten wie Waschgel, Zahnpasta, aber auch Reinigungsmitteln geprägt. Besonders in Peelings wird sich der reibenden Wirkung von Plastikteilen gerne bedient, um abgestorbene Hautschüppchen abzutragen. Während in einigen Produkten die Kunststoffstückchen als solche zu erkennen sind, kann Mikroplastik in anderen Tiegeln und Tuben auch in flüssiger oder gelartiger Form zum Beispiel als Bindemittel vorkommen – für den Verbraucher nur schwer zu erkennen.

Das Aufspüren von Mikroplastik im Drogerieregal kann deshalb auch eine kleine Challenge für sich sein – aber sie lohnt sich! Da selbstverständlich kein Produzent einfach „Mikroplastik“ als Inhaltsstoff auf die Rückseite seiner Shampooflasche schreibt, muss man die Etiketten schon etwas genauer studieren, um Plastik als dieses zu erkennen. Wie bei Lebensmitteln gilt auch hier: Was vorne steht, ist auch am meisten drin. Mit unserer Liste bekommt ihr dabei ganz easy den Durchblick zu Kosmetika und anderen Pflegeprodukten. Mit diesen Bezeichnungen entlarvt ihr Mikroplastik in euren Badezimmer-Favourites:

 

Acrylate Copolymer (AC)

Acrylate Crosspolymer (ACS)

Dimethiconol

Methicone

Polyamide (PA, Nylon)

Polyacrylate (PA)

Polymethyl methacrylate (PMMA)

Polyquaternium (PQ)

Polyethylene (PE)

Polyethylene glycol (PEG)

Polyethylene terephthalate (PET)

Polypropylene (PP)

Polypropylene glycol (PPG)

Polystyrene (PS)

Polyurethane (PUR)

Siloxane

Silsesquioxane

 

Wir geben zu, dass man bei so vielen Fachwörtern schon mal den Überblick verlieren kann und wie bereits angedeutet, kann die Analyse der Inhaltsstoffe einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber zum Glück gibt es auch hier nichts, was das 21. Jahrhundert nicht mit einer App lösen kann: „Code Check“ oder „Beat the Micro Bead“ funktionieren mit Barcode-Scanner und checken Kosmetika, aber auch Lebensmittel nach Mikroplastik ab. Im besten Fall können sie euch sogar gleich ein Alternativprodukt vorschlagen. Mit der App „Replace Plastic“ könnt ihr ebenfalls Produkte scannen, dem Hersteller wird dann gemeldet, dass ihr euch für diese eine plastikfreie Verpackung wünschst. Hoffnung macht, dass immer mehr Unternehmen der Kosmetik- und Reinigungsindustrie in den kommenden Jahren auf Mikroplastik in ihren Produkten verzichten wollen, nichtsdestotrotz ist aber weiterhin Vorsicht geboten – Transparenz steht bei dem Thema nicht an erster Stelle der Verantwortungsliste.

 

Frau trägt Gesichtspflege auf die Hand auf

Worin ist Mikroplastik außerdem enthalten und wie kann ich es vermeiden?

Ganz weit oben im Mikroplastikverbrauch: Kunstrasen. Der Kunststoff, welcher als Einstreumaterial genutzt wird, kann durch Schuhe und Kleidung von Sportlern oder auch vom Wind in die Umwelt getragen werden. Bei der Wäsche der Klamotten können die Plastikteilchen dann ins Abwasser gelangen. Apropos Schuhe, auch Sportschuhe mit Kunststoffsohle können über Abrieb Partikel in die Umwelt abgeben. Sohlen aus Naturkautschuk sind hier eine umweltschonende Alternative.

 

Auch in Kleidung kann Mikroplastik enthalten sein. Synthetisches Material wie Fleece-Stoff kann beim Waschen seine Fasern verlieren, welche dann ins Abwasser gelangen. Abhilfe können hier spezielle Waschbeutel bringen, die die Fasern auffangen und nach der Wäsche einfach gereinigt werden. Auch Fleece-Stoffe aus Bio-Baumwolle gibt es heute einige. Allgemein gilt beim Waschen: Möglichst nicht zu oft und nicht bei halbvoller Maschine, denn mit jedem Waschgang werden die Fasern geschädigt und können so ungehindert ins Abwasser gelangen. Wem bio bei Kleidung zu teuer ist, für den ist hier, sofern unvermeidlich, die nachhaltigste Alternative wieder mal der gute alte Kauf aus zweiter Hand. Wie ihr Second-Hand-Kleidung auch online umweltfreundlich shoppt, haben wir hier in unserem Blogartikel für euch zusammengefasst. Auch der Verzicht bzw. das Reduzieren von Autofahrten kann als Hauptquelle der Mikroplastik-Problematik ein Stück zur Verbesserung dieser beitragen. Besonders schwere Autos verursachen mehr Abrieb, also lohnt sich beim nächsten Autokauf umwelttechnisch auf jeden Fall ein Blick auf die Gewichtsklasse. Auch (Theorieprüfung lässt grüßen!) der richtige Reifendruck, die Stellung der Räder und der passende Wechsel zwischen Winter- und Sommerreifen spielen eine Rolle beim Abrieb. Bestenfalls rast ihr außerdem nicht zu oft mit hoher Geschwindigkeit über die Straßen.

 

Wie bereits angedeutet, findet sich Mikroplastik auch in unserer Nahrung und, leider nicht überraschend, auch in der Luft. Besonders gefährlich ist hier, dass sich an den Partikeln leicht weitere Umweltgifte wie Pestizide anlagern können.

 

Zurück zur Nahrung: Besonders in Kaugummi sind Kunststoffe enthalten, welche aus Erdöl hergestellt werden, sodass der Pausenklassiker folglich nicht biologisch abbaubar ist. Bis zu fünf Jahre dauert seine Zersetzung, also einfach auf den Gehweg spucken, ist weder eine gute noch eine nachhaltige (und hygienische) Idee.

 

In welchen Mengen Mikroplastik in anderen Lebensmitteln vorkommt und welche Produkte besonders belastet sind, darüber scheiden sich bisher noch die Geister. Angenommen wird jedoch, dass das Plastik vor allem über die Umwelt in die Nahrung gelangt. Der Kreislauf dabei: Kleine Lebewesen nehmen die Teilchen an der Wasseroberfläche auf, werden von Fischen und Muscheln gegessen, welche wiederum bei Vögeln und auch beim Menschen auf der Speisekarte stehen. Auch Plastikflaschen von Mineralwasser stehen in Verdacht, Partikel direkt an das Wasser abzugeben. Zudem soll die Reinigung der Flaschen eine Rolle bei der Übertragung spielen. Auch bei beschichteten Pfannen können sich Kunststoffteilchen ablösen und ins Essen gelangen. Für Spiegelei, Pfannkuchen und Co können also Alternativen aus Eisen eine umweltschonende Lösung sein.

 

Voller Wäschekorb mit Kleidung aus Synthetik

Wie kann ich im Alltag weniger Plastik verbrauchen?

Plastik zu vermeiden kann extrem schwierig sein, das wissen wir selbst leider zu gut. Es gibt aber ein paar einfache Tricks im Alltag, mit denen ihr euren Kunststoffkonsum ganz easy reduzieren könnt:

 

Das A und O beim Thema (Plastik-)Müll ist immer noch die Trennung des Abfalls. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass fachgerecht entsorgter und bestenfalls auch noch korrekt getrennter Müll nicht in der Umwelt landet, ist eben um einiges höher. Hier haben wir euch schon einmal zusammengefasst, wie ihr euren Abfall richtig trennt.

 

Bei Kosmetik- und Pflegeprodukten gibt es zum Glück auch schon einige Alternativen in der Lieblings-Drogerie. Naturkosmetika verzichten fast ausschließlich auf Mikroplastik und werben meist sogar offensichtlich damit. Im Zweifel hilft hier natürlich auch wieder ein Blick aufs Etikett oder ein Scan mit der App. Alternativ könnt ihr auch viele Produkte wie Zahnpasta, Peelings aber auch Waschmittel zuhause selbst herstellen, das Internet hat hierfür einige Rezepte parat.

 

Und auch beim Einkaufen liegt die Lösung so nah: Die Plastiktüte hat, so finden wir, ein für alle mal ausgedient. Hemdchenbeutel bei Obst und Gemüse? Frischnetz ist angesagt! Für den Preis von einem Doppelpack esst ihr beim nächsten Mal eine Salatgurke weniger, aber kauft die übernächste ab sofort nachhaltig! Und auch Stoffbeutel, Rucksack oder beim Wocheneinkauf der modische Hackenporsche sind nachhaltige Alternativen, die ihre Investition locker wert sind. Der Einkauf in Unverpacktläden lässt ab heute außerdem keine Ausreden à la „Die Tomaten gab's ja nur Plastik“ mehr zu. Falls ihr in eurem Alltag doch nicht auf eine Plastiktüte verzichten möchtet, können wir euch unsere #IAMPLASTICFREE Bags ans Herz legen, die so gut wie 1:1 die gleichen Eigenschaften wie eine klassische Plastiktüte haben, nur eben ohne aus Plastik zu sein.

 

Die beste und nachhaltigste Lösung ist natürlich immer noch ein Verzicht auf Plastik, wo er möglich ist. So müssen beispielsweise weniger Pellets hergestellt werden, die die Umwelt zusätzlich belasten können. Der Einkauf im Unverpacktladen und auch die Bevorzugung von plastikfreien Produkten sind hier schon ein Anfang. Wie ihr zudem auch in eurer Küche noch ganz leicht einiges an Plastik einsparen könnt, verraten wir euch hier.

 

Verschiedene Cornflakes- und Müslisorten in Einmachgläsern

Wie gefährlich ist Mikroplastik wirklich für den Menschen?

Die (unbefriedigende) Wahrheit: Auch neuere Studien bringen noch keine Ergebnisse, die diese Frage pauschal beantworten können. Obwohl noch (!) keine größeren gesundheitlichen Folgen auf den Menschen nachgewiesen werden konnten, sollten wir alle alleine aus Respekt auf die Umwelt unseren Plastikkonsum regelmäßig überdenken. Denn auch, wenn man es gerne mal vergisst, aber eben diese heißt nicht umsonst so. Aus Rücksicht auf die Welt, die uns umgibt, sollten wir einige Life-Hacks im Alltag und beim nächsten Einkauf im Supermarkt und in der Drogerie einfach mal beherzigen. Mikroplastik in allen Bereichen werden wir so sicher nicht von heute auf morgen los, aber wie immer wollen wir euch hier dazu entmutigen, in kleinen Schritten voranzukommen. Also, das gute alte Frischenetz im Rucksack ist der erste Schritt, der Download von einer wirklich sinnvollen App Nummer zwei und das Geld fürs Shoppen nebenbei sparen der dritte, Deal?

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